Selbstversorgerhaus
Ev. Freizeithaus Gersbach

Naturpark Südlicher Schwarzwald

   

Wie alles begann... 

Geschichte und Geschichten des einstigen Ev. Jugendheimes 

und heutigen Ev. Freizeithauses 

Im Spiegel der Zeit (1)

 

Rede© des Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden des  Kuratoriums, Karl-Heinz Röttel (Schopfheim) zum ersten 
Tag der offenen Tür
im Ev. Jugendheim Gersbach am Sonntag, dem 24. Juni 2001

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Foto © Werner Störk 2001

Karl-Heinz Röttel bei seiner Ansprache am 24.06.2001
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„Liebe Freunde des Gersbacher Jugendheimes!
In der Geschichte des Jugendheims haben wir schon manches 
erlebt, aber einen "Tag der offenen Tür" haben wir noch nicht 
gefeiert. Eigentlich darf man auch sagen, daß das Jugendheim
immer für unsere Interessenten offen war. Waren es zu Beginn 
mehr junge Menschen, so gibt es in den letzten Jahren auch 
eine Reihe älterer Gemeindegruppen und Familien, die hier 
einige schöne Stunden in frohem Kreise verbringen.
Ja, von der Geschichte des Jugendheimes des Jugendheimes
möchte ich Ihnen, die Sie noch jünger oder zugezogen sind, 
kurz etwas erzählen:
Wenn Sie von hier oben den Blick schweifen lassen, werden
Sie mit mir sicher auch der Meinung sein, daß unser Herrgott
wohl die Hand im Spiel hatte, als Pfarrer Ernst Schultes aus
Basel vom Gersbacher Land- und Gastwirt und Bürgermeister-
Stellvertreter Johann Adolf Blum das Grundstück Bergkopf 
Lagebuch-Nr. 185 mit 14 ar und 2 qm am 20. Juli 1932 zum 
Preis von 150 Reichsmark kaufte.
Pfarrer Schultes kaufte das Grundstück offenbar für den 
Zwingli-Bund in Basel.  Dieser erhielt laut Kaufvertrag, 
Paragraph 2, die Genehmigung zum Bau einer Ferienhütte 
für Jugendlager. Die Gemeinde erlaubte ihm auch die 
Fassung der Quelle, die etwa 80 m nordwestlich des 
Grundstückes auf der Gemeindemarkung 2542 lag. 
Mit diesem Wasser sollte die Brunnenstube betrieben 
werden, weshalb eine Rohrleitung bis zum Grundstück
gebaut werden mußte.
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JH-Archiv©

Das Evangelische Jugendheim Gersbach im Jahre 1952
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Die Schweizer setzten ihr Vorhaben um und so begann 
die erste Jugendarbeit am Bergkopf. Während des 
"Dritten Reiches" wurde dann die Nutzung eingeschränkt, 
und während des Krieges mietete sich die "Volksfürsorge
Lörrach" dort ein. In den letzten Kriegstagen wurde leider 
noch viel zerstört und die Hütte ausgeräubert.
Fräulein Elisabeth Ebert entdeckte dann Anfang der 
fünfziger Jahre das halbverfallene Gebäude und 
veranstaltete 1952 hier ihre erste Freizeit - natürlich
unter den primitivsten Verhältnissen, aber offenbar mit 
einem übergroßen Idealismus.  Die “Strelis" war eine
phantastische Organisatorin und erbettelte für das Heim
Tische Bänke, Einrichtungsgegenstände, Krankenhausbetten, 
Wolldecken. Waschschüssel und Trinkbecher wurden aus
dem "Kinderheim Luginsland" ergänzt. So begann nach dem
Kriege langsam wieder das Leben hier oben.
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Foto © Elisabeth Störk 1999

Die beiden Ehrenmitglieder des Kuratoriums: Elisabeth Ebert aus 
Rheinfelden, als "Strelis" bekannt (gest. 2000), Begründerin und 
unermüdlicher Motor des Ev. Jugendheimes Gersbach in den 
Jahren 1952 - 2000 und Karl-Heinz Röttel aus Schopfheim,
Ehrenmitglied und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums
sowie Verfasser der vorliegenden Rede.
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Aber das Haus gehörte immer noch den Schweizern. Ende 
1953 nahm der damalige Pfarrer Zimmermann Verbindung 
mit den Besitzern auf, um das Haus besser nutzen zu können. 
Am 29.4.1954 wurde dann auf dem Notariat 1 in Schopfheim 
der Kauf abgeschlossen. Dekan Leinert war von der Vereinigten 
Evangelischen Protestantischen Landeskirche Baden befugt,
die Verhandlungen zu führen. 
Als Kaufpreis wurden sofort fällig DM 5 000.  Da zu der Zeit
noch ein Lastenausgleich von etwa 2 000 DM für das Grundstück
zu zahlen war, mußten diese, wegen des knappen Geldes, in 
Jahresraten zu 500 DM mit 5 % Zinsen an das Schopfheimer 
Finanzamt gezahlt werden.
Nun konnte die Arbeit an dem eigenen Heim erst richtig beginnen. 
Jugendliche aus dem Kirchenbezirk bemühten sich darum. Zuerst
wurde die unteren Räume ausgebaut, später das Obergeschoß 
mit dem Tagesraum gebaut. 
Ab 1955 wurden auch die ersten Einnahmen verzeichnet, über 
die natürlich keine richtige Buchführung erfolgte, da ja alles Geld 
sofort in den weiteren Ausbau gesteckt wurde. Verantwortlich
dafür war Sebastian Leinert, der Sohn des Dekans.  Damals 
konnte man noch zu einem Tagegeld von 1 DM dort oben 
campieren.  Um die Finanzen aufzubessern, sammelten die
jungen Leute Altpapier.
 

JH-Archiv© 

Es gab damals noch ein Plumpsklo mit Chlorkalk- Desinfektion. 
Die „Strelis“ zapfte weiter ihre unerfindlichsten Quellen an und
beschaffte das nötige Geschirr: Sebastian Leinert hat das Heim 
bis etwas Ende 1958 betreut. Zu der Zeit wurde das Brennholz 
von den Jugendlichen im Wald gesucht. Ein Kanonenofen, 
dessen Rohre manchmal glühten, sorgte für die Wärme.
Übrigens gab es auch manchmal Licht, denn der Nachbar 
Schneider hatte einen Anschluß an seine selbstgebaute Leitung
erlaubt. Aber die Lampen glühten mehr dunkel als hell.
1961 wurde dann von der ersten Kuratoriumssitzung mit kleinster
Besetzung berichtet.  Der Gersbacher Pfarrer Schwarz schrieb
einen „Brandbrief“ an den EOK nach Karlsruhe, und bat um 
Unterstützung für eine Renovation.
Es dauerte aber Jahre bis nach verschiedenen Planungen, 
Berechnungen, und nach einem Sturmschaden im März 1967 
das Haus in solch einem miserablen Zustand war, daß etwas
geschehen mußte.
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JH-Archiv©
Ehemalige Innenansichten ...
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Als erstes wurde eine neue Stromversorgung gebaut, zu deren 
Baukosten die Ersparnisse von DM 12 000 draufgingen. Erst 
1968 hatte dann Karlsruhe endlich ein Einsehen, dass das Heim
endlich renoviert werden mußte. Den Ausschlag gab aber die 
wunderschöne Lage am Bergkopf.
140 000 DM machte damals der EOK locker. Es entstanden
4 Schlafräume im Untergeschoß, Waschräume, Lagerraum 
und die öllbefeuerte Warmwasserheizung. Und oben die Küche, 
2 Schlafräume mit Waschräumen und der überdachte Vorplatz. 
Als alles fertig war, kam die Rechnung dann doch auf 
249 363 DM. Aber man mußte feststellen, daß diese Ausgaben
sich gelohnt haben.
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Das Evangelische Jugendheim Gersbach im Jahre 1970
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Nun galt es bei allem Betrieb aber das Heim auch in Ordnung 
zu halten. Die Lage des Hauses brachte es mit sich, daß die 
der Witterung besonders ausgesetzte Fassade isoliert und mit 
Alu-Blechen verkleidet werden mußte.
So war das Heim langsam zu einem Wertobjekt geworden, das
nur mit enormen persönlichem Einsatz zum „schönsten Heim 
im Südschwarzwald" wurde.
Und das dieses so bleiben sollte, berief 1976 Dekan Kaufmann
ein neues Kuratorium ein, zu dessen Leiter ich für die folgenden
20 Jahre eingesetzt wurde.
In meiner damaligen Antrittsrede durfte ich mich freuen, daß 
die beiden unermüdlichen Feen Elisabeth Ebert, die leider im
letzten Jahr verstorben ist, und Margarete Niklas, die beide ja 
die Geschicke des Hauses weitgehendst beeinflußt hatten, sich
wieder in dem Leitungsgremium engagierten.
Damit die Aufgaben und die Verantwortung in Zukunft klar 
geregelt seien, wurde vom EOK eine Satzung mit uns
ausgearbeitet. Nach dieser war auch ein Haushaltsplan zu 
erstellen, denn das Heim sollte sich ja ohne allzu große 
Zuschüsse selbst tragen.
Sicher gab es in der Folgezeit immer wieder Wünsche. 
Einer der ersten war die Schaffung eines Spielplatzes. 
Durch Geländetausch mit der Gemeinde und durch die 
guten Verbindungen von Pfarrer Gerhard Trautwein konnte
in der Folge der Bau dieser Freizeitanlage geschaffen 
werden.
Aber immer wieder gab es auch Auflagen der Baubehörde
in Form von Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen, oder 
das Dach war mal wieder undicht, die Holzpalisaden am
Vorplatz war verfault, der ganze Vorplatz mußte erneuert
werden, dann blies der Wind durch die Fenster im Tagesraum
und machte die Erneuerung nötig.
Auch der Stromverbrauch machte umfangreiche Investitionen
durch sparsamere Lampen und Geräte erforderlich. Aber
"wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein 
Lichtlein her!!!' Und so konnten wir irgendwie doch immer alle
Wünsche erfüllen ...
1986 war das Kuratorium 10 Jahre im Amt und feierte dieses
Datum in der Frühjahrssitzung.  Aber eigentlich war eine erste
Kuratoriumssitzung schon am 15.  Mai 1961 d. h. schon 25 
Jahre vor unserer Feier.
Bei dieser Sitzung war auch unser jetziges Mitglied, die 
unverwüstliche "Strelis" anwesend und konnte natürlich in alten
Erinnerungen schwelgen. Das damalige Gremium arbeitete wie 
"freischaffende Künstler", ohne nähere Aufgaben- und 
Kompetenzbeschreibungen.
Man suchte sich die Arbeit und schaffte mit einem unermüdlichem
Idealismus. Übrigens kamen später auch Frau Margarete Niklas
und Siegfried Lörracher dazu.
Manchen dieser Idealisten sieht man heute noch in dem Gremium.
Jedenfalls gab der Vorsitzende seiner Freude Ausdruck und 
dankte dafür, einem so ausgezeichnet arbeitenden Kuratorium 
vorstehen zu dürfen, das die schönste, attraktivste und 
sparsamst-verwaltete Einrichtung für Jugendliche und ältere 
Gruppen zur Verfügung stellt.
Das Heim wurde jetzt dem Bezirkskirchenrat übergeben, da eine
Verwaltung von Karlsruhe wegen der großen Entfernung zu 
umständlich war.  Es sollte sich selbst verwalten und sich auch 
weitgehendst ohne Zuschüsse rentieren.
Daher sollte es im SKR vertreten sein. So wurde vom Kuratorium
ein Vertreter in den BKR berufen wurde, und der Dekan war 
gleichfalls Mitglied im Kuratorium war.  Seit der Zeit wurde 
auch in der Bezirkssynode jedes Mal der Haushaltsplan des
Heimes genehmigt.
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Foto ©Werner Störk 2001

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Inzwischen ist die Zeit weiter gelaufen. Ein Teil der Kuratoriums-
Mitglieder waren altersmäßig ausgeschieden, neue sind wieder
dazugekommen, und knien sich wie ihre Vorgänger in die Arbeit.
Für manche Arbeiten ist aber in Zukunft wohl auch erforderlich,
daß die Bezirksjugend, für die ja hauptsächlich das Heim zur 
Verfügung steht, bei Arbeitseinsätzen das Kuratorium unterstützt, 
damit Kosten vermieden werden. Sicher läßt sich das mit gutem 
Willen und mit den richtigen Worten auch erreichen. Denn auch 
weiterhin sollen die Gruppen nach Freizeiten doch von dem 
schönsten Fleckchen Erde schwärmen können, das sie besucht
haben.
 
Sicher war das, von dem ich Ihnen nur einen kleinen Auszug hier
habe geben können, nur ein Teil der Geschehnisse um unser Heim,
aber vielleicht wird in naher Zukunft aus der jetzt vorliegenden 
Chronik einmal ein mit Bildern ergänztes Büchlein entstehen in 
dem man die ganze Geschichte unseres Gersbacher Jugendheims
mal nachlesen kann.
Ich wünschen Ihnen allen nun einen schönen Tag der „Offenen Tür“!“
Quelle: Rede des Ehrenmitgliedes und langjährigen Vorsitzenden des Kuratoriums,
Karl-Heinz Röttel (Schopfheim) zum ersten "Tag der offenen Tür"  im Ev. Jugendheim 
Gersbach am Sonntag, dem 24.  Juni 2001

Bilderbogen zum
Tag der offenen Tür 2001

Das Ev. Jugendheim Gersbach
im Spiegel der Literatur

 
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